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C.Gerst


CORNELIA  GERST
 Malerei / Art Therapie


Biography/Lebenslauf

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Biographisches über Cornelia Gerst
Cornelia Gerst - Neue Arbeiten - Figuren + Symbole auf Luftpol-sterfolie und Leinwand von Dieter Gungl©, Juni 1998

Wer sich heute mit moderner Kunst auseinandersetzt gerät allzuoft schnell an Grenzen. Mit dazu beigetragen hat sicherlich, daß die Kunst der Moderne sich von gängigen Strukturen und Zuweisungen verabschiedet hat. Gegenüber neuen Bereichen sich öffnend, ist die gegenwärtige Diskussion innerhalb der Kunst durch zweierlei gekennzeichnet: Ich meine hier im Besonderen die Begriffe „Autonomie der Kunst" und "Ästhetik". Wobei Ästhetik in der öffentlichen Meinung immer noch fälschlicherweise ausschließlich auf den Bereich der Kunst beschrankt wird.

So ist es gerade die Kunst der Moderne, die sich nicht mehr in den Käfig der Autonomie einschließen laßt, sich solch ästhetiktheoretischer Ghettoisierung verweigert. Ohnehin hätte man das Autonomietheorom, wenn man es absolut nehmen wollte, stets mißverstanden. Zumindest theoretisch haben Gehlen und Adorno den Zusammenhang von Autonomietheorom und Gesellschaftsbezug formuliert, indem sie - jeder auf seine Weise - zeigten, wie die Autonomie stets eine präzise gesellschaftliche Funktion zur Kehrseite hat. Die Kunst ist gewiß ein sehr wichtiges Feld in der Bedeutung des Ästhetischen. Aber: nicht das Einzige. Halt doch gerade die Ästhetik in allen Lebens-bereichen Einzug, indem gerade unsere moderne Welt durchgestylt wird.

So resultiert die heutige Aktualität des Ästhetischen gerade daraus, daß die konventionelle Gleichsetzung von Ästhetik und Kunst unhaltbar geworden ist und gleichzeitig andere Dimensionen des Ausdrucks in den Vordergrund geruckt sind. Die Ästhetik muß von dieser absolenten Verengung freigehalten werden. Man hat überdies Anlaß, dies auch schon um eines zureichenden Verständnisses der Kunst selbst willen zu tun.

Zudem darf nicht übersehen werden, daß gerade die Kunst immer wieder sehr bewußt auf den gesellschaftlichen Zustand des Ästhetischen reagiert hat. Kunst reagiert nicht nur auf Kunst, sondern stets auch auf Wirklichkeit und im Besonderen auf den Zustand des Ästhetischen in dieser.

Die Frage, was ist Kunst? ist wohl in der Zeit der Moderne so nicht mehr zu be-antworten. Und doch ist Kunst nicht gleich Kunst. Ist moderne Kunst überhaupt noch zu verstehen oder bleibt sie für den Großteil verschlossen? So wie schon Baudelaire proklamierte: der l'art pour l'art als das einzig verbleibende Existenzideal für Wenige.

Genau an diesem Punkt treffen die Bilder von Cornelia Gerst einen aktuellen Nerv. Die frühen Arbeiten waren im Besonderen geprägt durch ein Suchen und Finden im Akt des Malens auf der Leinwand. Konzentriertes Malen brachte konzentrierte Bilder, wobei auf besondere Strukturen, die sich beim Malen auf und durch die Leinwand ergaben, unmittelbar, direkt reagiert wurde. So ent-standen meist große, farbige Flachen, die in Beziehung zueinander gesetzt, Verbindungen aufnahmen und von Linien unterbrochen, durchkreuzt wurden.

In dem maße, wie sich im Laufe der Zeit die Flache immer mehr zurücksetzte, trat die Linie akzentuiert und gezielt eingesetzt in den Vordergrund. Hier deutete sich bereits an, was später konsequent fortgesetzt, umgesetzt wurde. Dabei änderte sich nicht nur der Malgrund, sondern, und ausschlag-gebend für die jetzigen, hier gezeigten Bilder, die Malhaltung. D.h. die Haltung allgemein gegenüber dem, was Malen für Cornelia Gerst überhaupt bedeutet.

Wie schon erwähnt, entstanden die frühen Arbeiten in der direkten Ausein-andersetzung von Aktion und Konzentration. Malen verstanden als eine un-mittelbare Reaktion von Frage und Antwort auf der Leinwand.

Diesem unmittelbarem Suchen und Finden auf der Malfläche, dieser eher äußere Prozeß, der naturlich immer auch ein innerer ist, folgte nun zu-nehmend eine vor Malbeginn innere Auseinandersetzung.

Um diesem sichtbaren Ausdruck zu verleihen, setzte Cornelia Gerst die Figur und das Symbol als ihr adäquates Mittel ein, wobei sie sich nicht allgemein gängigen und bekannten Symbolen bediente, sondern neue ihr eigene findet, erfindet.

Dabei legte sie zu Beginn noch großen Wert auf die Bearbeitung des Mal-grunds, vorwiegend Leinwand und Seidenpapier. Dieser entstand noch in der direkten Auseinandersetzung mit dem Material, als eher wieder dieses Äußere, direkte Arbeiten. Dabei entstanden nicht einfach bloße, monotone Farbflächen, sondern punktuell entweder durch Farbe oder Struktur verdichtete.

Auf diese Flachen, oft in einem langen, intensiven Arbeitsprozeß hervor-gebracht, setzte Cornelia Gerst nun ihre skizzenhaft schnell gemalten Figuren und Symbole, die gerade durch dieses schnelle Auftragen mit dem Pinsel eine Leichtigkeit gewinnen, die oft einen schwebenden Charakter haben.

Rechtecke, Quadrate, Halbkreise unterstützen dies dabei. Hatte die Linie zuvor oftmals noch eine verbindende, ordnende Funktion, so ist sie jetzt zur Selbständigkeit gereift, Symbol geworden.

Schnell reduzierte sich der Malgrund zur monotonen Farbfläche. Die Aus-einandersetzung manifestierte sich zu einem inneren, konzentrierten Dialog, bei dem die Antwort schnell, unmittelbar, direkt ihren Ausdruck fand.

Falsch wäre jedoch, anzunehmen, das es sich hier um Aktionsmalerei handeln konnte. So entstehen die Bilder gerade nicht aus einer Aktion heraus, sondern aus einem langen, intensiven, inneren Dialog, dessen Antwort man als schnelle Malerei bezeichnen konnte, die eine Leichtigkeit sowohl in der Ausführung, als auch im Sichtbaren hat.

Der Prozeß des Suchens und Findens ist ein innerer geworden. Und so war es denn auch eine konsequente Folge, den Malgrund dieser neuen Haltung anzugleichen. Kunst besteht für mich u.a. darin, Zufalle, welche einem täglichen Begegnen für sich und seine Arbeit zur erkennen und umzusetzen.

Für Cornelia Gerst scheint dies die Luftpolsterfolie gewesen zu sein. Ein Material, eher bekannt als Verpacksmittel oder Ganzjahresknallkörper. Weit mehr für die Malerin. Konzentrierte Luft, eingeschlossen in Luftkammern, ein transparentes, re-lativ strapazierfähiges Material, das in seiner Leichtigkeit und Beschaffen-heit im Stände ist, die Antwort der Auseinandersetzung zu tragen.

So bietet dieses Material die Möglichkeit der Transparenz. Gleichzeitig ist es Bindeglied verschiedener Ebenen, die sich eröffnen.

Der innere Dialog wird nach außen hin sichtbar in Form des gemalten Bildes. Die Malerin öffnet sich hier; laßt Einblicke zu; und doch entsteht darüber hinaus eine ganz eigene Dynamik des Bildes.

Zum einen ermöglicht die Transparenz der Bilder ein Hindurchschauen. Alles, was hinter dem Bild liegt, kann wahrgenommen werden und wird letztlich in das schon vorhandene Bild aufgenommen. Es entsteht ein Bild im Bild; in ihrer Integration ein Neues.

Somit bleibt den Bildern ein Grundtenor erhalten und doch sind sie ständigen Veränderungen unterworfen. Falsch wäre es jedoch anzu-nehmen, daß sie dadurch beliebig wurden; bleibt doch die Aussage stets präsent und eindrucksvoll. Zum Anderen haben wir sprichwörtlich die Möglichkeit, hinter das Bild zu blicken.

Wir müssen erkennen, das das Bild hinten plötzlich andere Empfindungen auszulosen vermag. Zudem die Präsenz der Luftkammern, welche beim Betrachten zuvor lediglich spürbar waren, auf das Bild nun nachhaltig ein-wirken. So ist das, was wir glauben zu sehen, von einer anderen Haltung oder Position aus betrachtet, oft nicht das, was wir glaubten zu sehen.

Der Betrachter schließlich wird zum Grenzgänger dieser Ebenen. Innen und Außen, Vorne und Hinten, Figur und Symbol, Symbol und Figur. Beim sich einlassen werden diese Übergänge fließend, doch bleiben sie spürbar, wie dies unmittelbar in den Bildern zum Ausdruck kommt. Figur und Symbol greifen mancherorts ineinander, verweben sich scheinbar zu einem Ganzen, und bewahren doch ihre Eigenständigkeit.

So lassen die Bilder den auch viele Deutungen, Interpretationen zu, vereint unter dem Begriff Beziehungen, das wohl zentrale Thema in der Arbeit der Künstlerin. So ist auch der Gesamttitel der Ausstellung 'Figuren und Symbole' treffend gewählt. Nehmen diese doch in unterschiedlichster Weise Be-ziehungen zueinander auf. Dabei wird eine Ausgeglichenheit in der Ge-wichtung von Figur und Symbol angestrebt. Wobei Cornelia Gerst ebenso für die Figur ein ihr eigenes Symbol erfindet und dementsprechend eigentlich hier von Symbol zu Symbol zu sprechen wäre.

Darüber hinaus kann je nach Betrachtungsweise die Figur zum Symbol, das Symbol zur Figur werden. In diesem großen Spannungsfeld liegen den auch die Interpretationsmöglichkeiten. Doch scheint es mir hier weder angebracht noch sinnvoll, mich in Deutungen zu verlieren, da die hier gezeigten Bilder zum einen sehr persönlich, erst einmal sprachlos machen, und an die Sprüche in uns apellieren, zum anderen doch über diese persönliche individuelle hin-ausgehen und dabei Dinge in uns ansprechen, die einer allgemeinen Inter-pretation nicht bedürfen. Die Bilder von Cornelia Gerst erschließen sich einem nicht sofort; sie verlangen Konzentration, Ausdauer, Offenheit. Doch eröffnen sie auch die wunderbare Chance, in eine Bildwelt einzutauchen, in der wir uns selbst begegnen können.

Kunst fordert Zeit, sowohl vom Künstler, als auch vom Betrachter ein sich einlassen. Dies ist wohl oft mühsam; oft aufreibend. Doch wie sie hier an den Wanden sehen können: auch lohnend.

Die Künstlerin hat ihren Teil erfüllt, die im übrigen für Fragen immer offen ist, alles Weitere liegt an uns.

 

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