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Wie zufällig
aufs Blatt
hingeworfen


Skizzenbücher
des ehemaligen
Herrenbergers
Frederick D. Bunsen


Sketchbooks
fangen Impulse ein


von
Gabrielle Pfaus-Schiller
1997



Frederick Bunsen, Sketchbook Drawing 1995
DIN4, Bleistift auf Büttenpapier

Skizzenbücher?
Na klar,
sagt Frederick Bunsen,

schau sie Dir schon mal im Internet an.
O.K. rein ins Internet, ein bißchen Kunst schnuppern. Enter here, befiehlt ein quirliger Farbball. Ein Doppelclick und viele Augen blicken die "Userin" an, stellen zur Auswahl: FD Bunsen Homepage, Art Gallery, Ausstellungen, Essays - alles da. In Herrenberg, so erfahren wir, war der jetzt in Winnenden lebenden Künstler Dozent an der Kunstschule der VHS. Auch heute ist er noch präsent: Mehrere Werke hängen im Rathaus und in der Volksbank.

Dann ein Blick in die virtuelle Galerie: Da kann man eine Reihe von Lithographien betrachten Weiter geblättert: siehe da, das Sketchbook - endlich die gesuchten Skizzen! Besuch überflüssig? Ach ja, es bleiben doch noch Fragen.

Wir blättern in Bergen von „echten" Skizzenbüchern. Es finden sich Zeichnungen: wilde Striche, Farbflächen, Figuren, oft sehr reduziert, fast abweisend.

„Mit Skizzen fange ich Impulse ein", verrät Bunsen, das sind noch keine Ideen, „die entstehen erst während des Zeichnens." Man stellt sich so etwas wie Impulse vor, die durch Nervenbahnen flitzen: auf den ersten Blick wirken Striche, Flächen, Figuren und Formen ja auch wie zufällig hingeworfen.

Es ist eine Erinnerung vage vielleicht eine Floskel, ein Einfall, erläutert der Künstler, der Ansatz für eine Idee - spontan aufgezeichnet, zack! Beim längeren Hinsehen offenbart sich, wie er gerungen hat: Aus Linien und Strukturen entstehen Raum und Tiefe, Bedeutung wird erkennbar. Imaginäre Verbindungen und Verknüpfungen werden sichtbar, hinter Dingen, Flächen und Linien tun sich Räume auf. Weniger ist mehr: Die Reduktion auf das Wesentliche beim Skizzieren ist der schöpferische Prozeß. Eine Skizze ist vorläufig, das entspricht ihrem impulsiven Wesen. Sie will weiter bearbeitet werden, erklärt Bunsen, erst dann wird sie zur Zeichnung, zum fertigen Werk, wird aus dem Impuls eine Idee - dann nämlich, wenn man es nicht mehr erklären muß. Der Künstler sinniert:

Eigentlich sind Skizzen viel interessanter als fertige Werke. Eine Skizze ist zukunftsträchtig, es kann noch dies oder das daraus entstehen. Die Zeichnung ist abgeschlossen, fertig. Wozu der Aufwand mit dem Internet, schafft das nicht Distanz zum Kunstwerk - oder liegt dort sein zukünftiges Zuhause? Meine Homepage, erklärt Bunsen, ist auch eine Idee. Diese Art von Remote-Konsole hat sonst keiner, schwärmt er. Also auch eine Art Kunstwerk? Kunst, doziert der Künstler, ist Kommunikation! Und die findet statt, wenn ich im Internet präsent bin, wenn andere auf meine virtuellen Botschaften reagieren. Immerhin vier bis fünf Menschen tun das jeden Tag: Bunsen hat Fans sogar in Polen, Ungarn, Rumänien und natürlich in seinem Geburtsland USA.

Die Homepage Bunsens ist unter http://www.spacetime-publishing.de zu finden.

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